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A. Allgemeine Fragen
1. Welche Funktionen hat die Bauchspeicheldrüse?
Die Bauchspeicheldrüse hat zwei grundlegend verschiedene
Funktionen: Zum einen eine sogenannte exokrine Funktion, worunter
die Produktion der Verdauungsfermente zusammengefasst wird,
zum andern die sogenannte endokrine Funktion, worunter die
Produktion von Hormonen verstanden wird. Das bedeutendste
von der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon ist das
Insulin, welches das wichtigste Hormon für die Regulierung
des Zuckerhaushaltes darstellt.
2. Ist die Bauchspeicheldrüse
ein lebenswichtiges Organ?
Diese Frage muss primär mit ja beantwortet werden. Insbesondere
das Insulin, welches den Zuckerhaushalt reguliert, ist lebenswichtig.
Auch die Verdauungsfermente sind Voraussetzung dafür,
dass der Mensch die beim Essen zugeführten Nährstoffe
aufnehmen kann. Es muss in diesem Zusammenhang aber auch erwähnt
werden, dass ein Mangel an Insulin-produzierenden Zellen,
beispielsweise durch Absterben oder chirurgisches Entfernen
von Pankreasgewebe mittels Insulinspritzen behandelt werden
kann. Verdauungsfermente können problemlos in Kapselform
zu jeder Mahlzeit eingenommen werden, sodass auch bei fehlender
oder ungenügender Produktion von Verdauungsfermenten
eine normale Ernährung möglich ist.
3. Woran erkenne ich, dass mit meiner
Bauchspeicheldrüse etwas nicht in Ordnung ist? Gibt es
eindeutige Symptome, die auf eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse
hinweisen?
Es gibt verschiedene Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
und nicht alle zeigen sich mit den gleichen Symptomen. Pankreasentzündungen
sind in der Regel schmerzhaft (typischerweise gürtelförmige
Bauchschmerzen, die auch in den Rücken ausstrahlen können)
und gehen mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl einher.
Tumoren der Bauchspeicheldrüse verursachen häufig
insbesondere in der Frühphase kaum Beschwerden. Da der
Gallengang durch den Bauchspeicheldrüsenkopf läuft,
kann eine entzündliche oder tumoröse Schwellung
im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkopfes zu einem Rückstau
der Galle mit Gelbverfärbung von Augen und/oder Haut
führen. Eine solche Veränderung sollte immer umgehend
ärztlich abgeklärt werden.
Beim Vorliegen von starken Bauchschmerzen kann der Arzt durch
eine Blutentnahme herausfinden, ob die Ursache der Schmerzen
im Zusammenhang mit einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung
steht. Gegebenenfalls sind bei einem Verdacht auf das Vorliegen
einer Tumorerkrankung zusätzliche Röntgenuntersuchungen
notwendig.
4. Welches sind die häufigsten
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse?
Es gibt drei Gruppen von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse.
Zum einen sind dies akute Bauchspeicheldrüsenentzündungen
und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen
zum andern handelt es sich um Tumore der Bauchspeicheldrüse.
Bei letzteren wird grundsätzlich zwischen gutartigen
Tumoren und bösartigen Tumoren unterschieden. Wir wissen
heute, dass es bei den bösartigen Tumoren verschiedene
Tumortypen gibt, mit unterschiedlichem Wachstumsverhalten
und entsprechend unterschiedlicher Prognose.
5. Gibt es eine Art Lebenswandel,
welche eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse begünstigt?
Es ist bekannt, dass übermässiger Konsum von Alkohol
sowohl zu einer akuten als auch zu einer chronischen Pankreatitis
führen kann. Patienten, bei denen es aufgrund eines übermässigen
Alkoholkonsums zu einer chronischen Pankreatitis gekommen
ist, sollten Alkohol grundsätzlich meiden. Es ist heute
bekannt, dass auch das Rauchen das Auftreten von Bauchspeicheldrüsenkrebs
begünstigt.
6. Was ist das Besondere am Pankreas-Zentrum
Bern des Inselspitals?
Als Universitätsklinik verfügt das Inselspital über
die nötigen Spezialisierungen in den Fächern Magen-Darm-Erkrankungen
(Gastroenterologie), Bauchchirurgie (Viszeralchirurgie) und
Krebsbehandlung (Onkologie). Speziell an der Klinik für
Viszeralchirurgie wird seit 1993 mit grossem Interesse sowohl
im Grundlagenbereich als auch im Bereich der Patientenbehandlung
über Pankreaserkrankungen geforscht, und es besteht in
dieser Klinik eine grosse Erfahrung, sowohl vom eigenen Zentrum
als auch von Aufenthalten verschiedener Mitarbeiter an renommierten
ausländischen Zentren. Für Personen, welche die
Forschung unterstützen möchten, steht eine entsprechende
Stiftung zur Verfügung.
Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Disziplinen ist
am Inselspital gut organisiert und verschiedene
Behandlungsmöglichkeiten werden im Interesse des Patienten
umgesetzt ohne dass zwischen den Disziplinen eine unnötige
Konkurrenz entsteht. Damit kann am Pankreas-Zentrum des Inselspitals
eine Behandlung gemäss den neuesten internationalen Richtlinien
angeboten werden.
7. Wer bezahlt die Operation, wenn
ich in der Schweiz wohne oder arbeite? Pankreasoperationen
werden in der Schweiz von der Krankenkasse übernommen.
8. Nehmen Sie auch Patienten aus anderen
Ländern?
Als Zentrum haben wir immer wieder auch Patienten aus dem
Ausland und bei Bedarf stehen uns auch Dolmetscher zur Verfügung,
um die Patienten und ihre Angehörigen aus anderen Ländern
umfassend informieren zu können.
9. Wie komme ich zu einem Termin am
Pankreas-Zentrum?
Am einfachsten über eine E-Mail-Anfrage über den
Link auf dieser Homepage oder über die Homepage der Klinik
für Viszeralchirurgie (www.chirurgiebern.ch)
B. Chronische Pankreatitis
10. Was ist eine chronische Pankreatitis?
Eine chronische Pankreatitis beschreibt ein aufgrund einer
chronischen Entzündung verändertes Pankreas. Die
Symptome sind Schmerzen und Einschränkung der endokrinen
und exokrinen Funktion. Das Ausmass der Funktionseinschränkung
ist variabel.
11. Was muss ich tun, wenn mir ein
Arzt sagt, ich hätte eine chronische Pankreatitis?
Das wichtigste liegt darin, die Bauchspeicheldrüse nicht
weiter zu schädigen. Das heisst in erster Linie ein kompletter
Verzicht auf Alkohol. Zusätzlich braucht es eine kontinuierliche
Betreuung durch den Hausarzt, um die ungenügende endo-
und/oder exokrine Funktion gezielt behandeln zu können.
12. Wie wird die chronische Pankreatitis
in der Regel behandelt?
Eine ungenügende endokrine Funktion kann mit Insulin
oder Tabletten für den Zuckerhaushalt behandelt werden.
Eine ungenügende exokrine Funktion wird mit Kapseln,
welche Verdauungsfermente enthalten, behandelt. Schwieriger
ist die Situation im Falle des Vorliegens von chronischen
Schmerzen. Falls diese mit einfachen Schmerzmitteln nicht
behandelt werden können, braucht es eine Zusammenarbeit
zwischen dem Hausarzt und dem Fachspezialisten am Pankreaszentrum.
C. Akute Pankreatitis
13. Was ist eine akute Pankreatitis?
Eine akute Pankreatitis ist eine akute Entzündung der
Bauchspeicheldrüse. Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
verläuft in der Mehrzahl der Fälle (80 - 85 % der
akuten Pankreatitiden) mild und heilt in wenigen Tagen vollständig
ab. Es kann sich aber auch eine sehr schwere bis hin zu einer
lebensbedrohlichen Entzündung entwickeln, welche einen
längeren Spitalaufenthalt inklusive Intensivstationsbetreuung
und eventuell sogar chirurgische Eingriffe benötigt.
14. Was muss ich tun, wenn mir ein
Arzt sagt ich hätte eine akute Pankreatitis?
Eine akute Pankreatitis sollte wenn immer möglich im
Spital behandelt werden, da zu Beginn der Erkrankung nur schwer
festgestellt werden kann, ob es sich um eine milde oder schwere
Verlaufsform handeln wird. Die Hauptursache der akuten Pankreatitis
stellen Gallensteine und übermässiger Alkoholkonsum
dar. Werden Gallensteine diagnostiziert, sollte die Gallenblase
mit den vorhandenen Steinen entfernt werden. In Abhängigkeit
des Schweregrades der Pankreatitis muss das Zeitintervall
festgelegt werden. Falls übermässiger Alkoholkonsum
für das Auftreten der akuten Pankreatitis verantwortlich
war, ist eine Alkoholabstinenz dringend empfohlen.
15. Wie wird die akute Pankreatitis
normalerweise behandelt?
Eine akute Pankreatitis soll im Spital behandelt werden, wobei
die Patienten in der Anfangsphase nichts essen und trinken
sollten und Flüssigkeit über einen Zugang direkt
in die Vene erhalten. Zusätzlich werden Schmerzmittel
verordnet. Je nach Schweregrad der Erkrankung sind weitere
Massnahmen wie Einlage eines Katheters in ein grosses Gefäss
sowie in die Blase notwendig. Zur Diagnostik sind
ein Ultraschall der Gallenwege sowie unter Umständen
eine Computertomographie des Bauches notwendig.
16. Unser Kinderarzt hat bei meiner
Tochter nach einem Mumps eine akute Pankreatitis diagnostiziert.
Die im Rahmen einer Mumps-Erkrankung auftretenden Bauchspeicheldrüsenentzündungen
sind in der Regel mild und die Kinder müssen deswegen
nicht ins Spital aufgenommen werden.
D. Pankreastumoren
17. Was ist ein Pankreas-Karzinom?
Karzinom ist die Bezeichnung eines bösartigen Tumors,
was in der Laiensprache mit einer Krebserkrankung
gleichgesetzt wird. Wir wissen heute, dass es verschiedene
Gruppen von Pankreaskarzinomen gibt, welche mittels unterschiedlichen
Behandlungskonzepten angegangen werden sollen.
18. Gibt es eine Früherkennungsmethode
für den Pankreas-Krebs?
Leider bis heute noch nicht. Aber zahlreiche Forschungsgruppen,
auch unsere Gruppe, versuchen dieses Problem zu lösen
.
19. Welche Arten von Pankreas-Tumoren
gibt es? Sind alle bösartig?
Während früher nur grob zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren unterschieden wurde, beurteilt man
heute die verschiedenen Tumorerkrankungen viel differenzierter. Die Mehrzahl
der Tumoren sind leider der Gruppe der bösartigen Tumoren
zuzuordnen und betreffen das Pankreasgewebe, welches für
die exokrine Funktion zuständig ist. Tumoren, die von
endokrinen Zellen ausgehen, können ebenfalls gut- oder
bösartig sein. Zusätzlich müssen aber auch
gutartige hormonproduzierende Tumore - in erster Line Insulin-produzierende
Tumore - behandelt werden, da es zum Beispiel im Falle einer überschiessenden
Insulinproduktion zu lebensgefährlichen Unterzuckerungen
kommen kann.
20. Welche Therapie gegen Pankreas-Krebs
gibt es? Muss bei einem Pankreas-Krebs immer operiert werden
oder gibt es andere Therapien?
Die Behandlung des Pankreaskrebs sollte immer durch ein Team
von erfahrenen Onkologen und Chirurgen erfolgen. Die Wahl
zwischen Chemotherapie oder Chirurgie hängt primär
vom Stadium des Tumors, im weiteren aber auch vom Tumortyp
ab. Es ist heute bekannt, dass bei allen Patienten mit noch
auf die Bauchspeicheldrüse lokalisiertem Pankreaskrebs,
die komplette chirurgische Entfernung durch ein erfahrenes
Team an einem grossen Zentrum angestrebt werden soll. Kombinationsbehandlungen
mit Chemotherapie und in Einzelfällen auch mit Strahlentherapie
sollen an einem Zentrum im Rahmen von engmaschigen Qualitätskontrollen
der Resultate erfolgen.
21. Wie gross sind die Risiken bei
einer Pankreas-Operation?
Pankreasoperationen sind für den Körper belastende
Eingriffe und sollen nur an Zentren durchgeführt werden,
an denen sowohl der operierende Chirurge als auch die übrigen
in der Behandlung dieser Patienten involvierten Disziplinen
wie Anästhesie und Pflege erfahren sind. Im Rahmen der
Operation wird an das Pankreas eine Dünndarmschlinge
aufgenäht. Das Risiko, dass es im Bereich der Naht zu
einer undichten Stelle kommt, liegt gemäss den neuesten
Angaben in der Literatur zwischen 2 und 15 %. Das Auftreten
einer undichten Naht zwischen Pankreas und Dünndarm ist
heute glücklicherweise in den meisten Fällen ohne
zusätzliche Operation behandelbar. Es bedingt jedoch
meist eine Verlängerung des Spitalaufenthaltes. Andere
Risiken umfassen das vorübergehende Auftreten einer Magenentleerungsstörung
(harmlos, aber lästig) oder das Auftreten einer Komplikation,
welche im Zusammenhang mit dem Spitalaufenthalt, nicht jedoch
in direktem Zusammenhang mit der Operation steht, wie das
Auftreten einer Lungenentzündung, einer Thrombose oder
eines Harnwegsinfektes.
Das Risiko, an den Folgen einer Pankreasoperation zu sterben
liegt heute international gesehen deutlich unter 5 %, wobei
in vielen Zentren Serien von mehr als 100 Operationen bestehen,
ohne dass es zum Auftreten eines Todesfalles als Folge der
Operation gekommen ist.
22. Wird bei jedem Pankreas-Krebs
die ganze Bauchspeicheldrüse entfernt?
Die komplette Entfernung der Bauchspeicheldrüse stellt
die grosse Ausnahme dar. Nur wenige Tumoren wachsen innerhalb
des Pankreas entlang der Pankreasgänge und befallen so
das ganze Organ, ohne dass ausserhalb der Bauchspeicheldrüse
Ableger (medizinisch gesprochen Metastasen') entstehen.
23. Kann ich ohne Pankreas leben?
Man kann sehr gut ohne Pankreas leben. Dies bedingt jedoch
eine regelmässige Kontrolle des Blutzuckers und eine
entsprechende Insulinbehandlung sowie die Einnahme von Verdauungsfermenten
zu jeder Mahlzeit.
24. Wie kann ich nach einer vollständigen
oder teilweisen Entfernung des Pankreas weiterleben? Was habe
ich zu berücksichtigen? Ist eine Diabetes immer die Folge
davon?
Nach einer teilweisen Entfernung der Bauchspeicheldrüse
ist in der Regel ein normales Leben möglich. Je nach
Funktionszustand und Grösse des zurückgebliebenen
Pankreas muss allenfalls die exokrine oder endokrine Funktion
unterstützt werden. Das Auftreten eines Diabetes ist
bei langdauernder vorbestehender Pankreaserkrankung und Entfernung
des linksseitigen Bauchspeicheldrüsenanteiles wahrscheinlicher
als bei der häufiger ausgeführten Entfernung des
rechtseitigen Anteils.
25. Sind Diabetiker besonders gefährdet,
eine Pankreatitis zu bekommen?
Diese Frage muss mit nein' beantwortet werden
26. Empfehlen Sie vor einem belastenden
Eingriff bzw. einer grossen Operation immer eine "Second
Opinion" (zweite medizinische Meinung) eines weiteren
Spezialisten?
Wichtig ist, dass die Behandlung durch ein Team von erfahrenen
Chirurgen ausgeführt wird. Insbesondere bei Entscheidungen
in Grenzbereichen, wenn es um die Frage geht, ob eine Operation
noch sinnvoll ist oder ob eine etwas grössere Operation
notwendig sein wird, kann eine Zweitmeinung hilfreich sein.
E. Transplantation
27. Kann man ein Pankreas transplantieren?
Grundsätzlich ist es möglich, das Pankreas als ganzes
Organ zu transplantieren. Dies kann bei insulinpflichtigen
Diabetikern, die Aufgrund des Diabetes auch eine Nierentransplantation
benötigen, in Frage kommen. Die neuesten Daten weisen
jedoch daraufhin, dass eine alleinige Transplantation von
Inselzellen Vorteile gegenüber einer Transplantation
des gesamten Organes hat.
28. Bieten Sie diese Transplantation
am Pankreas-Zentrum Bern an?
Die Pankreas-Transplantation wird auch am Pankreas-Zentrum
Bern angeboten, wobei die Inselzell-Transplantation in Zusammenarbeit
mit dem entsprechenden Zentrum an der Universität in
Genf erfolgt.
29. Worauf muss ich bei der Wahl eines
Spezialisten bzw. eines Krankenhauses achten?
Pankreas-Chirurgie inklusive onkologische Betreuung von Pankreaspatienten
sollten durch ein Ärzteteam, das sich mit allen Aspekten
dieser Erkrankungen auskennt, erfolgen. Es ist in der medizinischen
Literatur bekannt, dass Zentren, in denen solche Patienten
häufiger gesehen werden, bessere Resultate erzielen
als Zentren mit tieferen Zahlen, auch wenn im Einzelfall auch
in einem kleinen Haus eine Operation gut durchgeführt
werden kann.
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