Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung / Akute Pankreatitis

 
   

Was ist die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung?
Unter akuter Pankreatitis versteht man eine akute, das heisst, plötzlich entstehende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Es kommt zu einer Schädigung der Bauchspeicheldrüsenzellen, was zu einer vorübergehenden Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüse führt. Je nach Schweregrad der Schädigung kann es aber auch zu einem Absterben der Bauchspeicheldrüsenzellen kommen, wodurch verschiedene schädigende Stoffe in den gesamten Körper ausgeschüttet werden, die den Patienten lebensbedrohlich erkranken lassen. In der weiteren Folge können auch andere Organe angegriffen und in ihrer Funktion eingeschränkt werden.

Was sind die Ursachen der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung? Grundsätzlich gibt es eine lange Liste an möglichen Gründen für eine akute Pankreatitis. Allerdings sind in Westeuropa, und damit auch in der Schweiz, das Vorliegen von Gallensteinen und der Alkoholexzess für etwa 90% der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündungen verantwortlich. Durch die schädigenden Abbauprodukte des Alkohols kann es zu einer plötzlichen Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen. Wenn Gallensteine aus der Gallenblase in den Gallenabführungsgang gelangen, kann dieser kurz vor der Einmündung in den Zwölffingerdarm den Bauchspeicheldrüsengang verstopfen, was auch eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen kann. Neben diesen häufigsten Gründen gibt es eine lange Liste von sehr seltenen Ursachen wie Infektionskrankheiten, verschiedene Medikamente, Fehlbildungen im Bereich der Bauchspeicheldrüsengänge usw. Schliesslich gibt es auch einen kleinen Teil von Patienten, bei dem keine Ursache für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ermittelt werden kann.

Wir können grundsätzlich zwei Formen der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung unterscheiden:
- Die akute milde Pankreatitis
- Die akute schwere Pankreatitis

1. Die akute milde Pankreatitis
Etwa 85% der Patienten sind von dieser Form des Krankheitsbildes betroffen. Dabei kommt es nur zu einer vorübergehenden Schädigung der Bauchspeicheldrüse, wobei meistens keine anderen Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. In aller Regel erholen sich die Patienten innerhalb weniger Tage vollständig von dieser Entzündung. Es entsteht keine Dauerschädigung der Bauchspeicheldrüse.

2. Die akute schwere Pankreatitis
Etwa 15% der Patienten leiden unter dieser schwersten Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Zerstörung von Bauchspeicheldrüsengewebe und Versagen von anderen Organen charakterisieren die schwere akute Pankreatitis, die damit zu einer akuten Gefährdung des Lebens führen kann. Auch wenn sich der Patient erholt, existiert oft eine lebenslange funktionelle Einschränkung der Bauchspeicheldrüse (Verdauungsstörungen, Zuckerkrankheit). Je mehr Bauchspeicheldrüsengewebe abgestorben ist, desto grösser der Funktionsverlust. Bei Patienten, die eine Infektion des zerstörten Bauchspeicheldrüsengewebes erleiden, muss eine Operation erfolgen. Diese hat zum Ziel, das infizierte Gewebe um das Pankreas sowie abgestorbenes Drüsengewebe zu entfernen.

Was sind die Krankheitszeichen bei einer akuten Bauchspecheldrüsenentzündung?
- plötzlicher Beginn
- Stärkste, dumpfe Oberbauchschmerzen (oft gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend)
- Übelkeit, Erbrechen
- Fieber
- schlechtes Allgemeinbefinden

Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?
Neben den funktionellen Schäden der Bauchspeicheldrüse wie Verdauungsstörungen durch die Unterproduktion von Verdauungsenzymen im Restpankreas sowie ein sich neu entwickelnder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) auf Grund einer Unterproduktion des Insulins, können folgende Probleme auftauchen:

1. Pseudozysten-Ausbildung
Aufgrund der Gewebeschädigung der Bauchspeicheldrüse kann es zu einem Einriss im Pankreasgangsystem kommen. Der austretende Pankreassaft sammelt sich in oder um die Bauchspeicheldrüse langsam an. Diese Ansammlungen von Pankreassaft werden Pseudozysten genannt. Meist verschwinden Pseudozysten ohne spezifische Therapie im weiteren Verlauf. Allerdings gibt es Pseudozysten, die immer grösser werden und schliesslich auch zu Beschwerden (Symptomen) wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen und Gewichtsverlust führen können. Bei symptomatischen Pseudozysten ist meistens eine Operation nötig. Dabei wird ein Teil des Dünndarms auf eine solche Zyste genäht, damit der Zysteninhalt ungehindert direkt in den Darm abfliessen kann.

2. Pankreasabszess
Ausnahmsweise kann es auch nach Abklingen des akuten Entzündungsschubes zu einer Ansammlung von Eiter in der Umgebung des Pankreas kommen, was Abszess genannt wird. Dieser kann immer wieder zu Fieberschüben führen. Meistens gelingt es, den Abszess unter lokaler Betäubung und unter Röntgenkontrolle (Ultraschall oder CT) zu punktieren und einen Katheter einzulegen, damit der Eiter abfliessen kann. Gelingt dies nicht, ist eine Operation notwendig. Zusätzlich muss man für eine gewisse Zeit mit Antibiotika behandelt werden.

3. Pankreasfistel
Im Rahmen einer schweren Bauchspeicheldrüsenentzündung oder nach einer dadurch notwendigen Operation kann sich eine sogenannte Fistel bilden, was einer Verbindung der Bauchspeicheldrüse zu einem anderen Organ (z.B. Dickdarm) oder gegen aussen (zur Haut) entspricht. Dadurch kann es zum Austritt von Drüsensekret kommen, was lange andauern kann und schliesslich spontan abheilt oder durch eine weitere Operation angegangen werden muss.

Ein Teil meiner Bauchspeicheldrüse wurde entfernt - wie weiter?
Bei Patienten, bei welchen bei nekrotisierender Entzündung ein Teil oder sogar fast die ganze Bauchspeicheldrüse entfernt werden musste, kann es je nach Ausdehnung der Entfernung zu einer Funktionseinschränkung der Bauchspeicheldrüsenfunktion kommen. Dabei stehen folgende zwei Probleme im Vordergrund: - zu wenig Pankreasenzyme (führt zu Verdauungsproblemen) - zu wenig Insulin (führt zu hohem Blutzucker). Diese Mangelzustände können mit den erwähnten Medikamenten behandelt werden und die entsprechenden Erklärungen finden sich weiter oben diskutiert.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei einer akuten Pankreatitis getroffen werden?
Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann gewöhnlich aufgrund der Symptome und der Blutanalysen diagnostiziert werden. Im Verlauf muss aber festgestellt werden, wie ausgedehnt und wie schwer die Entzündung ist. Dies geschieht am besten 48 bis 96 Stunden nach Beginn der Symptome mittels Computertomographie. Die Technik und Qualität des CT muss so sein, dass eine schwere Form mit Pankreasnekrosen von einer leichten Pankreatitis unterschieden werden kann.

Therapie / Behandlungsmethoden
Die Behandlung der akuten Pankreatitis richtet sich vor allem nach den Beschwerden des Patienten. Je nach der Verlaufsform (milde oder schwere Form) unterscheidet sich die Therapie. Grundsätzlich sollte jeder Patient mit akuter Pankreatitis in einem Spital streng überwacht und behandelt werden. Der Patient wird für die ersten Tage nüchtern bleiben sowie Schmerzmittel und Infusionen erhalten. Zudem wird man den Kreislauf, die Lunge und die Niere sorgfältig überwachen. Je nach weiterem Verlauf kann der Patient früher oder später wieder mit einer leichten Kostaufnahme beginnen. Sollte sich eine schwere Form der akuten Pankreatitis abzeichnen, wird man den Patienten auf die Intensivstation verlegen. Je nach Beschwerdebild wird der Patient dort mehrere Tage oder Wochen weiterbehandelt.

Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation bei schwerer akuter Pankreatitis ist bei ungefähr jedem dritten Patienten notwendig. Verschlechtert sich der Zustand zusehends wird man unter Röntgenkontrolle mit einer feinen Nadel die Bauchspeicheldrüse punktieren. Sollten sich in diesem sogenannten "Punktat" Bakterien oder Pilze zeigen, ist eine Operation nötig. Dabei wird man den Bauch durch einen queren oder längsverlaufenden Schnitt eröffnen und die infizierten abgestorbenen Bauchspeicheldrüsenteile entfernen. Schliesslich kommt es zur Einlage von mehreren Schläuchen, durch welche in den folgenden Tagen der Raum um die Bauchspeichedrüse ausgespült wird, um noch vorhandene und weiter entstehende kleine Anteile von abgestorbenem Gewebe auszuspülen. Bei einem schweren Verlauf der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung kann es zu einem mehrwöchigen ja mehrmonatigen Aufenthalt im Spital kommen.

Neben der Behandlung des akuten Beschwerdebildes ist es nötig, die Ursache der akuten Pankreatitis zu ermitteln. Sollte ein Gallengangsstein für das Entstehen der akuten Pankreatitis verantwortlich sein, wird man diesen so früh als möglich mit Hilfe der ERCP zu entfernen versuchen. Dadurch können die Enzyme der Bauchspeicheldrüse und die Galle wieder in den Zwölffingerdarm abfliessen. Der Schädigungsmechanismus wird so unterbrochen. Nach dem Ausheilen der akuten Gallenstein-Pankreatitis muss die Gallenblase entfernt werden. Meistens geschieht dies mit Hilfe der sogenannten Schlüsselloch-Chirurgie (laparoskopische Cholezystektomie) noch während dem gleichen Spitalaufenthalt.

Im Rahmen einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung wird man den Patienten immer nach seinem Alkoholgenuss fragen. Nicht immer führt ein übermässiger Alkoholgenuss zur akuten Pankreatitis. Es gibt Menschen, die durch eine gesteigerte Empfindlichkeit auch bei mässigem Alkoholgenuss eine solche Entzündung entwickeln können. Andererseits gibt es übermässige Trinker, die niemals eine akute Pankreatitis entwickeln. Wie auch immer, es ist absolut lebenswichtig, dass nach einer akuten Pankreatitis, wenn nicht eindeutig Gallensteine oder eine andere seltene Ursache für diese verantwortlich waren, der Alkoholgenuss limitiert, oder besser unterlassen wird. Das Auftreten einer erneuten akuten Entzündung kann lebensgefährlich sein.

Nachsorge
Eine standardisierte Nachsorge ist insbesondere nach leichten Formen der Entzündung der Bauchspeicheldrüse nicht notwendig. Bei Ausbildung von Komplikationen wie Pseudozysten oder Fisteln müssen Patienten aber von einem spezialisierten Ärzteteam nachkontrolliert werden. Diese Nachkontrollen beinhalten meist auch eine Computertomographie um das Ausmass der Veränderungen genau beurteilen und die weitere Therapie planen zu können.